Gehirnnebel in den Wechseljahren: Was wirklich dahintersteckt

Gehirnnebel in den Wechseljahren: 
Warum dein Kopf dich im Stich lässt und was wirklich reinspielt

Du stehst in deiner Küche, die Schlüssel in der einen Hand, die Butter in der anderen, und eine Minute später liegen die Schlüssel gut gekühlt im Eierfach und die Butter macht sich auf den Weg in deine Handtasche. Du merkst es im letzten Moment. Oder eben auch nicht, und dann findest du drei Tage später deine Autoschlüssel neben dem Joghurt und hältst das für einen Streich der Familie.

Ich bin ziemlich sicher, dass du deine eigene Version davon hast. Vielleicht sind es bei dir nicht die Schlüssel im Kühlschrank, sondern der Name deiner Nachbarin, die du seit zehn Jahren kennst und die plötzlich in deinem Kopf nur noch "die Nette von nebenan" heißt. Vielleicht ist es das Wort mitten im Satz, das dir entgleitet, während alle warten und höflich lächeln. Aber du kennst dieses kurze Erschrecken danach. Und die eine Frage, die du dich bisher niemandem laut zu stellen getraut hast: Was stimmt nur nicht mit mir?

Ich sage es dir gleich am Anfang: Mit dir ist alles in Ordnung. Was du erlebst, hat einen Namen, und der heißt Gehirnnebel.

Du bist in bester Gesellschaft

Ich sammle diese Momente inzwischen wie andere Leute Briefmarken. Nicht, weil ich sie lustig finde, obwohl man über manche wirklich lachen muss, sonst heult man ja nur noch. Sondern weil jede Frau, die mir ihren Moment erzählt, ein Stück Scham verliert, sobald sie merkt, wie voll der Club ist, in dem sie da unfreiwillig Mitglied geworden ist.

Da ist die Frau, die im Supermarkt an der Kasse steht, der Wagen halb voll, und beim besten Willen nicht mehr weiß, weswegen sie überhaupt losgefahren ist. Die drei Dinge, die sie eigentlich brauchte, stehen zu Hause auf dem Zettel, den sie so ordentlich geschrieben und dann so gründlich auf dem Küchentisch vergessen hat.

Da ist die Frau, die ihre eigene Geheimzahl eintippt, die sie seit Jahren blind eingibt, und mitten in der Bewegung hängt die Hand in der Luft. Die Zahl ist nicht verschwommen. Sie ist weg. Wie vom Erdboden verschluckt.

Und dann ist da der Moment, über den am wenigsten geredet wird, weil er sich am bedrohlichsten anfühlt. Der bei der Arbeit. Du bist vorbereitet, du kennst dein Thema seit Jahren, und dann suchst du mitten im Vortrag nach einem ganz normalen, langweiligen Alltagswort. Es kommt nicht. Du redest elegant drum herum, du klingst nach außen wie die Souveränität in Person, aber innen drin rast dein Herz, und danach fragst du dich, ob es jemand gemerkt hat. Und ob es beim nächsten Mal schlimmer wird.

Die gute Nachricht steht hier ganz bewusst am Anfang

Normalerweise hebt man sich die gute Nachricht bis zum großen Finale auf. Ich stelle sie an den Anfang, weil ich weiß, dass manche von euch sie gerade dringender brauchen als jede Dramaturgie.

Was du erlebst, ist kein Zeichen dafür, dass mit deinem Kopf etwas ernsthaft nicht stimmt. Es ist kein Beweis, dass du nachlässt, dass du nicht mehr die bist, die du mal warst. Es ist kein Frühwarnsignal für irgendetwas Schlimmes, das du nachts um halb drei googeln müsstest.

Ich sage das so deutlich, weil ich weiß, dass genau dieser Gedanke bei vielen Frauen im Hinterkopf hockt. Und weil er allein schon großen Schaden anrichtet. Die Angst vor dem, was der Nebel bedeuten könnte, ist oft schlimmer als der Nebel selbst.

Der Gehirnnebel ist ein bekanntes, gut beschriebenes Symptom der Perimenopause. Der Unterschied zwischen "mit mir stimmt etwas nicht" und "meine Hormone sind gerade auf Weltreise" ist riesig. Weil das eine bedeutet, es wird immer schlimmer. Und das andere bedeutet, du kannst etwas daran ändern.

"Aber bei mir ist es bestimmt was anderes"

Vielleicht denkst du gerade, das klingt ja nett, aber bei mir ist es schlimmer. Bei mir ist es zu früh, ich bin doch erst Anfang vierzig. Oder zu spät, ich habe die Wechseljahre doch angeblich schon hinter mir.

Ich könnte eine Uhr danach stellen, so oft höre ich das. Und ich verstehe es, weil der Nebel sich so persönlich anfühlt, so nach dir ganz allein, dass man kaum glauben mag, dass er ein Muster hat. Aber er hat eines, und zwar ein ziemlich langweilig zuverlässiges. Die Perimenopause fängt bei vielen Frauen deutlich früher an als gedacht, oft schon Mitte, Ende dreißig, und sie kündigt sich gern hinterrücks an, nicht über den Zyklus, sondern zuerst im Kopf und in der Stimmung.

Das ist der Grund, warum so viele Frauen jahrelang von Praxis zu Praxis tingeln und hören, ihre Werte seien doch völlig in Ordnung, während sie genau spüren, dass irgendwas anders ist. Sie bilden sich das nicht ein. Sie sind einfach früh dran mit etwas, das ihnen niemand erklärt hat.

Die fünf Mitspieler, die gleichzeitig an dir zerren

Sobald du weißt, welche Fäden in deinem Kopf gerade gleichzeitig gezogen werden, hört der Nebel auf, sich wie dein persönliches Versagen anzufühlen, und fängt an, sich wie das anzufühlen, was er ist. Ein Zusammenspiel. Mehrere Mitspieler, die alle gleichzeitig an dir zerren.

Erstens: Progesteron, der Hauptdarsteller

Progesteron ist eines der beiden großen weiblichen Hormone, und im Kopf hat es eine schöne Aufgabe. Es beruhigt. Es ist sozusagen die Hand, die dir über den Rücken streicht und sagt, so, jetzt ist mal gut, komm runter. Und jetzt der Teil, den kaum jemand weiß: In der Perimenopause macht ausgerechnet diese Hand als Erste Feierabend. Nicht das Östrogen zuerst, wie die meisten denken, sondern das Progesteron. Früh, deutlich, und ohne ordentliche Übergabe.

Wenn diese beruhigende Hand fehlt, ist dein Kopf wacher, kribbeliger, schneller aus dem Takt. Ein Kopf, der nicht zur Ruhe kommt, sortiert schlechter, merkt sich schlechter, ruft schlechter ab. Das ist der Grund, warum so viele Frauen genau jetzt erzählen, sie seien abends todmüde und lägen trotzdem hellwach da wie ein aufgescheuchtes Huhn.

Zweitens: Östrogen auf der Achterbahn

Östrogen spielt mit, nur eben nicht die Hauptrolle, die man ihm so gern andichtet. Es hilft dabei, dass Gedanken flüssig laufen und Wörter da sind, wenn du sie brauchst. In der Perimenopause sinkt es aber nicht brav und ordentlich wie eine gut erzogene Kurve. Es fährt Achterbahn. Rauf, runter, Looping, an manchen Tagen gleich mehrmals, und dein Kopf sitzt in der ersten Reihe, ganz ohne Anschnallgurt.

Drittens: Der Blutzucker, über den zu selten geredet wird

Kennst du dieses Mittagstief, nach dem du dich fühlst, als hätte dir jemand heimlich den Stecker gezogen? Der Kopf wird schwer, die Gedanken zäh wie kalter Honig. Das hat sehr oft mit dem Blutzucker zu tun. Wenn er nach oben schießt und dann steil wieder abrauscht, sackt dein Kopf ein Stück weit mit. Und in der Perimenopause reagiert der Körper anders auf das, was du isst, als früher. Ein Blutzucker auf Achterbahnfahrt löst den Nebel nicht aus, aber er macht ihn dichter. Jeden gesegneten Tag.

Viertens: Der Schlaf, der nicht mehr erholt

Dein Kopf macht nachts Großputz. Er sortiert, räumt weg, festigt, was du tagsüber reingeschaufelt hast. Wenn du ihm dafür nur vier zerhackte Stunden gibst, ist das ungefähr so, als würdest du die Putzfrau um drei Uhr nachts wieder rausschmeißen, wenn sie gerade mal beim Wohnzimmer angekommen ist. Am nächsten Morgen wachst du mit einem Kopf auf, der von gestern noch nicht fertig ist.

Fünftens: Der leise Dauerstress

Nicht der große, dramatische Stress. Ich meine den leisen, der immer da ist und den wir schon so lange mit uns herumschleppen, dass wir ihn längst für ein Möbelstück halten. Der volle Kalender. Die Sorge um die Kinder, um die Eltern, um alles gleichzeitig. Die tausend unsichtbaren Kleinigkeiten, an die nur du denkst. Wenn das Stresshormon Cortisol dauerhaft oben bleibt, leidet das Gedächtnis.

Und jetzt kommt der wirklich gemeine Teil: Diese fünf Mitspieler zerren nicht nur jeder für sich an dir, sie spielen sich gegenseitig die Bälle zu. Das fehlende Progesteron raubt dir den Schlaf. Der schlechte Schlaf lässt den Blutzucker noch wilder Achterbahn fahren. Der treibt den Stress hoch. Und der Stress raubt dir dann den Rest. Es dreht sich im Kreis, ein richtig charmantes Karussell. Deshalb fühlt sich der Nebel manchmal an wie eine Wand, gegen die du allein einfach nicht ankommst. Weil du eben nicht gegen eine Sache anrennst, sondern gegen fünf, die dicke Freunde sind.

Der Nebel ist kein Defekt. Er ist eine Reaktion. Und eine Reaktion kann man verändern, sobald man weiß, worauf sie reagiert.

Warum wir so wenig darüber reden

Über Hitzewallungen redet man inzwischen, sogar im Büro und beim Grillen. Über schlaflose Nächte auch. Aber "ich wusste gestern nicht mehr, wie mein Kollege heißt, mit dem ich seit zwei Jahren jeden Tag Kaffee trinke"? Das bleibt schön unter Verschluss.

Ich glaube, der Grund ist eine tief sitzende Sorge. Also outen wir uns lieber gar nicht erst. Wir spielen nach außen die Frau, bei der alles rundläuft, und managen innen heimlich unsere kleinen Aussetzer mit einem Netz aus Zetteln, Erinnerungen und guter Schauspielkunst.

Und genau dieses Verstecken kostet dich richtig viel Kraft. Ständig auf der Hut zu sein, dass bloß niemand was merkt, ist ein Vollzeitjob, für den dich keiner bezahlt. Das Verstecken macht den Nebel nicht besser. Es macht ihn dichter. Deshalb tut es so gut, wenn das Ganze endlich einen Namen hat. In dem Moment, in dem du weißt, das bin nicht ich, das sind meine Hormone, fällt ein Sack Kartoffeln von deinen Schultern.

Wie es sich anfühlt, wenn der Nebel nicht mehr Regie führt

Du sitzt in einem Gespräch und bist einfach da. Du folgst, du schaltest dich ein, und das Wort, das du suchst, spaziert genau dann herein, wenn du es brauchst, statt drei Stunden später beim Zähneputzen. Kein Herzklopfen, kein stilles Stoßgebet.

Du gehst in die Küche, holst, was du holen wolltest, und kommst damit auch wieder heraus. Beim ersten Versuch. Ich weiß, das klingt lächerlich klein. Aber wenn du kennst, wie sich das Gegenteil anfühlt, dann weißt du auch, wie befreiend genau dieses Kleine ist.

Und du wachst morgens auf und dein erster Gedanke ist nicht "hoffentlich fällt heute nichts auf". Sondern einfach nur, was es zum Frühstück gibt. Das ist keine Fantasie. Das ist schlicht der Unterschied zwischen "ich weiß nicht, was mit mir los ist, und habe Angst" und "ich verstehe, was los ist, und weiß, was ich tun kann".

Schau dir dazu mein Video an

Wenn du tiefer eintauchen willst, habe ich das ganze Thema in einem ausführlichen Video für dich aufbereitet. Nimm dir einen Kaffee und schau es dir in Ruhe an.

Dein nächster Schritt

Vielleicht bist du dir noch nicht sicher, ob der Gehirnnebel wirklich dein Thema ist. Ob es bei dir die Perimenopause ist oder einfach zu wenig Schlaf oder der Dauerstress oder, ganz ehrlich, alles auf einmal.

Dann habe ich etwas für dich, das dich keinen Cent kostet. Einen kurzen, ehrlichen Test. In wenigen Minuten findest du heraus, ob das, was du erlebst, wirklich zum Gehirnnebel aus der Perimenopause passt, und wenn ja, wie dicht der Nebel bei dir gerade ist. Kein ellenlanger Fragebogen, kein Ergebnis, das dich mit mehr Fragen zurücklässt, als du vorher hattest.

Die Frauen, die am längsten unter dem Nebel gelitten haben, waren nicht die, bei denen er am dicksten war. Es waren die, die am längsten gewartet haben. Das musst du nicht. Den ersten und wichtigsten Schritt hast du heute schon gemacht, du hast verstanden, was passiert.

Gehirnnebel in den Wechseljahren muss kein Dauerzustand sein, und je früher du anfängst zu verstehen, was da alles reinspielt, desto eher hast du deinen Kopf wieder für dich allein.

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